Musik in St.Georgen im Attergau vor 1825

Dass in St.Georgen im Attergau die Musik zumindest im Rahmen des Gottesdienstes eine große Rolle gespielt hat, kann man einer Instruktion entnehmen, die Graf Franz Christoph Khevenhüller am 7. August 1638 für die Musikanten von St.Georgen erlassen hat.

Darin entschloss er sich, „…diejenigen in meinem Marckt St.Georgen wohnhafft und vor andren berümbte, welche Vocales oder Instrumentales musici sein und alle Sonn- und Feyertag mit Psallieren und Singen dem Gottesdienst beiwohnen, Sie füran mit sonder Gnaden zu bedenken.“

Er schützt die Musiker vor Konkurrenz von außerhalb, „…die ihnen das Brodt vor dem Maul abgenomben“, dafür „…sind die Musikanten verpflichtet alle Sonn- und Feiertage sowohl beim Hochamt als in der Vesper, bei Prozessionen und anderen Kirchendiensten gehorsam zu erscheinen.“
Man kann daraus schließen, dass es in St.Georgen im Attergau bereits gut ausgebildete Musiker gegeben hat.
(Auszug aus dem von Hrn. Prof. Helmut Pachler im Jahr 2000 erschienen Buch „Johann Beer – Annäherung an seine Zeit“).

Von Johann Beer (1655 – 1700), dem ich in meiner Arbeit ein extra Kapitel widme, sei eine Textstelle aus einem seiner Romane zitiert, worin er über eine adelige Hochzeit berichtet und dabei mehrere Gattungen Spielleute nennt u.a. Trompeten, Schalmeienpfeifer, Bockspfeifer, Spielleute und Dorfgeiger.

Durch Aufzeichnungen in der Pfarrchronik erfahren wir ebenfalls, dass in St.Georgen i. A. schon vor der Gründung des Musikvereins musiziert wurde. Da schreibt u.a. Pfarrer Rupert Landelin Baron von Bodmann im Jahre 1734: „…Zur Verschönerung des Gotteshauses und Verherrlichung des öffentlichen Kultus im selben schaffte ich 4 Trompeten und 2 Hörpauken an, welche samt Verkleidung beinahe 100fl kosteten.“

Pfarrer Max von Anprecht schreibt in seinem Testament am 17. April 1768: „… daß mein elender Leib sonder aller sonderlichen Gepräg begraben werde, … daher auch bei meinen Exequien …. Sollen keine fremden Musici, Thürmer, etc. herghollet oder gebraucht werden, sonder nur meine eigenen, und so sich dermallen gebrauchen lassen bey hiesigen Gotteshaus…“

Die Zeit von 1825 – 1890

Wie aus der Sakralmusik in St.Georgen im Attergau auch eine Blasmusik wurde, lässt sich durch folgende Eintragungen der Pfarrchronik entnehmen:

Pfarrer Michael Kunnath schreibt über die Turmkreuzsteckung am 16. Juni 1823:
„…Das fast neu verfertigte eiserne und neu vergoldete Kreutz wurde vom Zimmermeister (Kristoph Wimmer von Kogl 55) und seinen Gesellen im Hauser Nr. 129 abgeholt; von da unter Paradierung der Bürgergarde und Begleitung der türkischen Musik bis zum Kirchenportal heraufgetragen…“

Aus der Blasmusikgeschichte von OÖ geht hervor, dass es vielerorts Bürgergarden gegeben hat, die bei den verschiedensten Aufmärschen von einer Blechmusik begleitet wurden.

Leider gibt es über den Zeitraum von 1825 bis 1890 wenig bis fast gar keine Aufzeichnungen. Lediglich ein Verzeichnis der damals tätigen Kapellmeister beweist über die Existenz einer Musikkapelle.

So war es von 1825 – 1844 der Marktrichter Matthias Permoser, der vermutlich 1. Kapellmeister in St.Georgen im Attergau.

Von 1845 – 1850 war der Gastwirt Anton Schwaiger Kapellmeister, der 1850 vom Lehrer Zephyrin Moutschka abgelöst wurde. Dieser kam 1858 als Hilfslehrer nach Weißenkirchen im Attergau, war dort ab 1865 Schulleiter, Organist, Chorleiter und Kapellmeister ab 1890, anschließend verbrachte er seinen Lebensabend wieder im Ortlerhaus in St.Georgen.

Johann Bugner übernahm von 1859 – 1864 die Leitung der Kapelle, gefolgt von Matthias Mayrhofer, Beindrechsler, der von 1865 – 1886 gewirkt hat. Er war auch Hochzeitslader (Progroda) und führte die Hochzeitsmusik bestehend aus 4 – 5 Mann und die Tanzmusik bis in die 1890er Jahre. Ab 1887 war Matthias Haumtratz, Pointler, Kapellmeister.

Oftmals waren es Militärmusiker, die nach ihrer Rückkehr ins Zivilleben einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung des Blasmusikwesens geleistet haben. Aus alten Notenhandschriften erfahren wir über deren Existenz.

Auch in St.Georgen gab es ehemalige Militärmusiker. Die ältesten Noten im Archiv wurden von einem gewissen Georg Nini abgeschrieben und nach seiner Militärzeit der MK St.Georgen überreicht.

Das Wirken von Peter Kibler von 1890 – 1925

Unter dem langjährigen Kapellmeister Peter Kibler wurde die Musikkapelle offiziell im Jahr 1907 als „Verein der Musikfreunde in St.Georgen im Attergau“ angemeldet. Es wurden Satzungen ausgearbeitet, wobei sich besonders die Herren August Galmiche und Förster Gustav Seemann verdient gemacht haben.
Die Bildung des Vereines und die Satzungen wurden von der Behörde genehmigt.
Obmann wurde Herr Pfarrer Johann Mayrdoppler, Leiter der Blechmusik blieb Peter Kibler, Leiter der Streichmusik Schulleiter Johann Sompek (er war auch Leiter des Kirchenchores).

Die MK St.Georgen im Attergau hatte um die Jahrhundertwende eine Stärke von ca. 20 Mann. Die 15 – 20 Ausrückungen pro Jahr verteilten sich auf Begräbnisse verschiedenster Vereinsmitglieder, Tagrevell, Fronleichnamsprozessionen, Gartenfeste, Friedhofsmusik zu Allerheiligen u.s.w.

Die Probenarbeit war im Vergleich zu heute (ca. 50 Proben jährlich) viel geringer. Es fanden anfangs jährlich nur ca. 7 – 9 Proben, später dann ca. 20 – 25 Proben statt.

Am 16. Juli 1925 starb Kpm. Peter Kibler. Mit ihm hat die MK St.Georgen i. A. einen begeisterten Musiker und Musiklehrer verloren, der den Verein musikalisch mit Begeisterung und Tatkraft geführt hat. Sein Nachfolger wurde im Jahr 1926 der Bauer Franz Stelzhammer aus Eggenberg.

Der Verein von 1926 – 1948

Über die Tätigkeit der MK in den Jahren von 1926 – 1948 liegen leider fast keine Aufzeichnungen vor. Es existieren lediglich 3 (nicht sehr aussagekräftige) Protokolle aus den Jahren 1937 und 1938.Während dieser Zeit war der Gastwirt und Bürgermeister Johann Anzenbacher Kapellmeister. Er war auch bemüht, die Musiker nach dem 2. Weltkrieg wieder zu sammeln und hat so den Wiederaufbau der MK St.Georgen i. A. in die Wege geleitet.

Als ehemaliger Militärmusiker hat sich in dieser Zeit auch der 1. Flügelhornist Johann Ammer, Postbeamter, große Verdienste erworben, der auch 1948 und 1949 als Kapellmeister tätig war.

Die Ära Franz X. Nagl von 1949 – 1971

Mit dem Jahr 1949 beginnt eine neue Ära der MK St.Georgen i. A.. Am 25.11.1949 trat die Kapelle bei einem Katharinenkränzchen zum ersten Mal unter der Leitung des neuen Kapellmeisters Franz Xaver Nagl in der Öffentlichkeit auf.

Nagl, damals Volksschullehrer im Mühlviertel, war über Kontakte zum St.Georgener Tenoristen Franz Kienesberger nach St.Georgen. Dieser hatte die Idee, Nagl zu überreden, sich für die Lehrerstelle in St.Georgen zu bewerben. Bevor sich Nagl jedoch endgültig entschied, „spionierte“ er die MK St.Georgen i. A., welche zur damaligen Zeit in der Gaststube vom Gasthaus Anzenbacher (Kastl) probte, während einer solchen Probe aus und entschied sich dann, die Lehrerstelle in St.Georgen anzunehmen und somit auch die MK St.Georgen als Kapellmeister zu übernehmen.

Bei der 1. Generalversammlung nach dem Krieg, am 10.2.1950 wurde auch der Name des „Vereines der Musikfreunde in St.Georgen i. A.“ in „Musikkapelle St.Georgen im Attergau“ abgeändert.

Erstmals trat die MK St.Georgen i. A. in einheitlicher Uniform beim Musikfest in Gmunden am 2.7.1950 auf.

Ebenfalls ins den 50er Jahren wirkten ein paar Musikanten beim Spielfilm „Frauensee“ mit Dietmar Schönherr und Barbara Rütting mit, welcher am Attersee gedreht wurden.
Hierfür wurde die kleine Partie mit Franz Hofinger, Franz Wienerroither, Johann Ammer und Franz Rottauer ca. 10 x, wenn das Wetter gerade günstig war, kurzfristigst zu den Aufnahmen nach Attersee und Nußdorf gerufen.

Ebenfalls in dieser Zeit wurden die ersten regelmäßigen Abendkonzerte für den Fremdenverkehr abgehalten, ab 1957 im neueröffneten Musikpavillon im Kottulinskypark an der Dürren Ager.

In den Jahren seiner Tätigkeit hat Kpm. Nagl die MK St.Georgen i. A. auf ein beachtliches Niveau gebracht, deren Leistung bei zahlreichen Wertungsspielen mit 1. Preisen und ausgezeichneten Erfolgen honoriert wurde.

Eine bleibende Erinnerung setzte sich Franz X. Nagl mit dem Marsch „Hoamat mei Attergau“,
welcher als DER Heimatmarsch der Musikkapellen im Attergau angesehen werden kann. Im Trio wurde die Melodie des Liedes „Hoamat, mei Attergau“ von Franz X. Nagl verwendet.

Die Entwicklung der Musikkapelle von 1972 – 1993

Horst Punzet, seit 1961 Trompeter, später Tenorist bei der Kapelle übernahm 1972 aus den Händen von Franz X. Nagl den Taktstock und läutete somit eine neue Ära ein!

Praktische Erfahrung, theoretisches Wissen und vor allem die Begeisterung für die Blasmusik insgesamt wurden ihm bei der OÖ. Militärmusik von Prof. Rudolf Zeman mit auf den Weg gegeben.

Damals gab es in St.Georgen i.A. schon so manches Register, das andere Kapellen noch nicht hatten, wie Zugposaunen, Saxophone und Waldhörner, ein Verdienst von Kapellmeister Nagl. Aber es fehlten noch wichtige Instrumente, wie Flöten, Oboe, Fagott, ausreichend Klarinetten, viele Schlaginstrumente usw. Die Kapelle hatte damals ca. 30 Mitglieder (nur Männer!).

Das größte Anliegen von Horst Punzet war daher, möglichst viele musikalische Talente für die Blasmusik zu gewinnen, sie auszubilden und in die Kapelle zu integrieren. Das ist ihm gelungen und das Orchester zählte bei seinem Ausscheiden als Kapellmeister im Jahr 1993 bereits 54 Mitglieder.

Die Musikschüler wurden damals ausschließlich von Musikern der Musikkapelle ausgebildet. Da Punzet seit 1966 Bezirksjugendreferent des Oö. Blasmusikverbandes war, kannte er dieses Problem auch von anderen Kapellen des Bezirkes.

Mit der Gründung des OÖ. Musikschulwerkes 1977 war klar, dass auch unser Nachwuchs eine professionelle Ausbildung erhalten musste. Bereits 1978 gelang es Horst Punzet mit Unterstützung der Marktgemeinde St.Georgen im Attergau, eine Zweigstelle der Landesmusikschule nach St.Georgen i.A. zu bringen. 1988 wurde St.Georgen i.A. eine Hauptanstalt, provisorisch untergebracht im Schulzentrum. Nach über 20 Jahren konnte endlich am 22. Oktober 2011 die neue Landesmusikschule mit dem neuen Probeheim für die Musikkapelle eröffnet werden.
Auch hierbei leistete Horst Punzet einen erheblichen Beitrag!

Die ersten Mädchen, die in einer Musikschule Unterricht erhielten, waren Sonja Wienerroither und Karin Punzet, allerdings in Vöcklabruck bzw. in Attnang-Puchheim. Sie waren auch die ersten Mädchen, gerade zwölf Jahre alt, die 1976 in die Musikkapelle aufgenommen wurden.
Heute liegt der Frauenanteil bei der Musikkapelle bei stolzen 38 %!

Horst Punzet konnte auch das musikalische Niveau stark anheben!  Dies wurde durch die lückenlose Teilnahme bei allen Konzertwertungen mit ausschließlich „ausgezeichneten Erfolgen“ erreicht, aber auch durch die intensive Probenarbeit zu den Cäcilien- bzw. Frühjahrskonzerten, die seit 1972 bis heute alljährlich von der gesamten Bevölkerung gut besucht und immer begeistert aufgenommen wurden. Unsere Konzerte fanden statt im Klostersaal bis 1975, im Turnsaal der Hauptschule bis 1987 und ab 1988 als Frühlingskonzert in der Attergauhalle.

Auch in der Vereinsführung hat sich während seiner Kapellmeisterzeit vieles geändert. Bis zum Ausscheiden des verstorbenen Ehrenobmannes Johann Krichhammer waren die Obmänner der Musikkapelle nie aktive Musiker. Seit Mitte der siebziger Jahre fungieren als Obmänner nur mehr aktive Musiker, was sich für die gute Zusammenarbeit, insbesondere mit dem Kapellmeister, als großer Vorteil erwiesen hat.

Horst Punzet wurde auf Grund seiner Verdienste um die Blasmusik und im speziellen um die Musikkapelle St. Georgen im Attergau mit zahlreichen Auszeichnungen des OÖ. Blasmusikverbandes geehrt. 1993 wurde er von den Mitgliedern zum Ehrenkapellmeister ernannt.

Generationswechsel von 1993 – 1996

Nach 21 erfolgreichen Jahren als Kapellmeister übergab Horst Punzet im Jahre 1993 den Taktstock an unseren Klarinettisten Norbert Hemetsberger, welcher die Funktion bis 1998 ausübte.

Erfolgreiche Weiterentwicklung von 1996 – 2006

Seit 2007 ist unser musikalischer Leiter Klaus Duftschmid aus Ungenach. „Dufti“ versteht es, uns immer wieder zu neuen musikalischen „Höhenflügen“ zu führen!

Obmann war bis 2011 Christian Grabner, sein Nachfolger und jetztiger Obmann ist Stefan Wienerroither.

Konzertreisen nach Luxembourg (2007) und Taggia bzw. San Remo und Monte Carlo (2009) führten uns auch als musikalischer Botschafter ins Ausland.

Absoluter Höhepunkt aber war im Oktober 2011 die Übersiedlung in unser neues Musikheim, das im Mai 2012 feierlich eröffnet wurde!